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26. Mai 2015

Waffenkunde

Der Beruf eines Schriftstellers führt einen immer wieder in Situationen, wo man sich mit den unterschiedlichsten Themen befassen muss, von denen man bislang keine Ahnung hatte.

Man lernt ständig sich mit neuen Themen auseinander zusetzten!

Für mein Thriller "Fragwürdige Identität" musste und durfte ich mich mit Waffen beschäftigen. Das war sehr interessant.
Mein "Bodyguard" sollte schließlich wissen, welche Waffen er benutzt, wie sie funktionieren und welche Munition man dafür benötigt.
Nun kann ich zumindest mit einer Beretta 8, einer Glock 19, einer 51er Magnum (gut, die kannte ich schon vorher) einer Glock 18C etwas anfangen.
Nicolás Rodríguez wurde jedoch für seinen ersten Einsatz mit einer Desert Eagle ausgestattet. Papá Rodríguez ist ja in dieser Beziehung nicht knauserig.

Im Verlauf der Geschichte tauchte dann ein Auftragskiller auf. Nun brauchte ich ein Scharfschützengewehr, wie zum Beispiel das M40, das Dragunov SVD, das PSG1, das G28 oder das M200 Intervention.

Natürlich findet man im Internet allerlei nützliche Hinweise, nur leider nicht auf alle Fragen eine Antwort.
Besonders praktisch ist es natürlich, wenn man jemand an der Hand hat, der sich richtig gut mit dem Thema auskennt und man sich mit ihm beraten kann. An dieser Stelle geht mein großes DANKESCHÖN an Nico Kapczynski.
Nicht nur, dass er sich gut mit Waffen auskennt, er hat auch ausgezeichnete Ideen, wie man die Szenen aus- oder umbauen kann und ganz wichtig, was nebenbei passieren kann oder eben nicht.

In meinem Fall ging es um eine Schießerei mit einer Waffe, die richtig "böse Löcher" hinterlassen kann und damit kam eine PKW-Tür als Deckung nicht wirklich in Frage. Die Beschreibung der möglichen Ein- und Austrittswunden mit diesem Kaliber wurde mir sehr bildlich beschrieben - meine Vorstellungskraft ist ja ohnehin sehr lebhaft.


Nun ziehe ich mich aber mit dem richtigen Kaliber wieder in meine Geschichte zurück und schreibe weiter.

Und falls Ihr mal Fragen zum Thema Waffen habt, freut sich Nico über Euren Kontakt.


16. April 2015

Vorschau auf Teil 3


Vorbei
Mit der 9:15 Uhr Maschine landete José Luis am Dienstagvormittag in Santa Marta. Diesmal hatte er für mehrere Tage Gepäck dabei, vor allem aber eine bessere Ausrüstung, um für alle Fälle gut ausgestattet zu sein, und er nahm sich einen Mietwagen, damit er flexibel und nicht ständig auf ein Taxi angewiesen war. Zunächst fuhr José Luis an jene Stelle, von wo er zehn Tage zuvor gemeinsam mit Ramirez Renans Villa mit der Wärmebildkamera abgecheckt hatte. Nun nahm er sein Fernglas heraus, um das Haus zu beobachten. Bisher konnte er jedoch niemanden entdecken, weder einen Hausangestellten noch einen der Leibwächter. José Luis zündete sich eine Zigarette an und sah ab und zu zum Anwesen hinüber. Es war herrlich still hier oben auf dem Hügel, nur ein leichter Wind wehte und das Rauschen des Meeres drang gedämpft zu ihm herauf. Deshalb schreckte er zusammen, als sein Handy klingelte und diese erholsame Ruhe unterbrach. Das Display kündigte ›Orlando‹ als Anrufer an. „Deine Vermutung hat sich bestätigt“, begann Orlando das Telefonat, „gestern Früh landete in Bogotá ein Privatjet aus Santa Marta mit einem Transport zum Zentralfriedhof. Ich habe jemand hinterhergeschickt, unauffällig versteht sich. Es ging direkt zur Familiengruft der Nicoljaros. Am späten Nachmittag flog die Maschine zurück.“ José Luis spürte ein Lächeln auf seine Lippen, „dann hatte es Renan am Ende also doch erwischt.“ Es gab eigentlich auch keinen Grund Ramirez‘ Behauptung anzuzweifeln. „Ich habe auf den Namen Rodríguez weitere Einträge für Privatflüge gefunden“, Orlando machte eine kleine Pause, „unter anderem vor siebzehn Wochen, und zwar genau an dem Tag von Antonios Verschwinden entdeckte ich einen Flug von Bogotá nach San José zum ›Juan Santamaría Flughafen‹“, endete Orlando. José Luis schlug sich auf die Stirn. „Ich Idiot!“ Um Antonio zu finden, war er zahlreiche Möglichkeiten durchgegangen, aber dass er nach Costa Rica entführt worden war, hatte er leider nicht in Betracht gezogen. „Gracias! Das ist wirklich sehr hilfreich.“ „Du schuldest mir inzwischen einiges“, erinnerte ihn Orlando. „Definitiv!“, beendete José Luis das Telefongespräch. Renan hatte demzufolge Antonio nach San José gebracht, um ihm vermutlich dort neue Kniegelenke einsetzen zu lassen. Costa Rica war, im Vergleich zu den übrigen Ländern in Mittelamerika, bekannt für die ausgezeichnete Gesundheitsversorgung. Mit diesem Wissen wollte José Luis sofort nach Taganga. Er packte sein Fernglas in die Tasche und ging zum seinem Leihwagen, einem silberfarbenen Chevrolet Prisma, zurück. Welches Problem auch immer Antonio in Santa Marta festhielt, er würde mit ihm eine Lösung finden, dessen war sich José Luis sicher. Während der dreißigminütigen Fahrt von Rodadero nach Taganga spürte José Luis seine Aufregung wachsen. In den beinah dreizehn Jahren, die er mit Antonio zusammengearbeitet hatte, gab es viele Höhepunkte, mehrere brenzlige Situationen sowie bewegende Momente. Damit hatte er Antonio intensiv von verschiedenen Seiten kennengelernt, kannte seine Vorlieben, seine Stärken und Schwächen, wusste vor allem um seine Herzensangelegenheiten, die er besonders an ihm schätzte. Antonio nach all den Wochen ohne ein Lebenszeichen endlich wiederzusehen, erhöhte seine Anspannung, zumal er nicht wusste, was ihn erwartete. Letztlich bog José Luis von der Hauptstraße auf den leicht abschüssigen Schotterweg ab und parkte den Wagen vor der gemauerten Grundstücksgrenze. Bevor er ausstieg, wischte er sich seine vor Aufregung feuchten Handflächen an seiner Hose trocken. Zuerst überlegte er, sich noch eine Zigarette anzuzünden, ging dann aber voller Ungeduld, Antonio endlich wiederzusehen, auf das Gittertor zu und betätigte den Klingelknopf. Einen Moment später hörte er durch die Gegensprechanlage eine Frauenstimme, „Qué desea?“. „Mein Name ist José Luis Núñez. Ich möchte zu“, mit Antonio würde die Señora vermutlich nichts anfangen können, „Señor Rodríguez.“ Die Stimme schien einen Augenblick zu zögern, „Don Rodríguez ist nicht zu Hause.“ Im Hintergrund meinte José Luis eine hellere Männerstimme zu hören; Antonio war es definitiv nicht. Unerwartet öffnete sich das Tor vor ihm automatisch. José Luis betrat den Vorgarten. „Kommen Sie herein, Señor Núñez“, drang hinter ihm die Aufforderung aus der Sprechanlage. José Luis ging auf den breiten Hauseingang zu. Eine kleine, rundliche, sympathisch aussehende Frau Ende fünfzig, wahrscheinlich die Haushälterin, öffnete die Haustür. „Señor Fonseca möchte mit Ihnen sprechen.“ Sie trat zur Seite und wies auf den großzügigen Wohnbereich. Ein großer, athletischer Mann mittleren Alters mit kurzem Haar kam ihm entgegen. „Ich nehme an, Sie kennen Nic, Señor Núñez?“ José Luis benötigte einen Augenblick, bis er ›Nic‹ mit Antonio in Verbindung brachte. Er grinste, „das möchte ich wohl meinen. Ist er da?“ Señor Fonseca musterte ihn von oben bis unten. „Nic hat Sie nie erwähnt. Sind Sie ein Freund?“, betonte er das letzte Wort auffallend weich. José Luis studierte für einen Moment das makellose Gesicht seines Gegenübers, „ja, so könnte man es nennen.“ Dann ließ er seinen Blick durch das modern eingerichtete Wohnzimmer schweifen. „Nicht schlecht! Wo steckt er?“ Señor Fonseca seufzte tief, „setzten Sie sich“, wies er zur Couch. Die zahlreichen moosgrünen Kissen wirkten gemütlich. „Ich wusste ja, dass es Nic in letzter Zeit nicht so gut ging, aber dass dieser Streit mit seinem Vater so enden würde ...“, fahrig rieb er sich den Oberlippenbart, „gestern Abend überbrachte die Polizei eine schlimme Nachricht“, er schluckte, offensichtlich suchte er nach Worten. José Luis versuchte unterdessen, sich einen Reim darauf zu machen, wer dieser Señor Fonseca war und welche Rolle er an Antonios Seite gespielt haben mochte. Señor Fonsecas Stimme zitterte, „auf der Route 62, auf der kurvigen Strecke vor Medellín gab es einen Frontalzusammenstoß mit einem LKW. Der PKW wurde als Nics Touareg identifiziert.“ José Luis hörte gespannt zu, als Señor Fonseca leise weitersprach. „Die Fahrzeuge sollen sofort in Flammen aufgegangen sein. - Während der LKW-Fahrer sich noch ins Freie retten konnte, verbrannte der Insasse des PKWs.“ Prompt dachte José Luis daran, dass Renan seine Finger im Spiel hatte. - War der Mistkerl doch nicht tot? Wer wurde dann in der Familiengruft beigesetzt? Verpasste der Onkel Antonio schon wieder eine neue Identität, weil er ihm auf die Schliche gekommen war? José Luis würde von vorn anfangen müssen. Nein! Es war schwer, den Überblick in diesem Lügenchaos zu behalten. Um zumindest ein paar Hintergrundinformationen zu erhalten, fragte José Luis genauer nach, „worum ging es in dem Streit?“ Señor Fonseca zuckte mit den Schultern, „ich war nicht dabei. Nic ist am Donnerstag gleich nach dem Streit mit seinem Wagen weggefahren. Seither gab es kein Lebenszeichen mehr von ihm.“ José Luis sah zu seiner Theorie keinen Zusammenhang, „hat er ein Handy?“ Señor Fonseca nickte, „er hat es vermutlich ausgeschaltet.“ „Kann ich die Nummer haben?“, José Luis holte sein Smartphone hervor. „Ich glaube, Sie haben mir nicht zugehört“, sagte Señor Fonseca mit Nachdruck. „Sein Touareg ...“ José Luis fiel ihm ins Wort, „wurde die Leiche identifiziert?“ Señor Fonseca schüttelte den Kopf. „Sehen Sie, und solange ich keinen Beweis habe, dass Antonio da dringesessen hat, glaube ich diesen Unsinn nicht.“ „Unsinn? Hören Sie mal!“ Señor Fonseca stutzte, „wer ist überhaupt Antonio?“ Señor Fonseca zog seine Stirn in Falten. „Ihr Nicolás Rodríguez ist in Wahrheit Antonio Nicoljaro“, erklärte José Luis. Señor Fonseca sah jetzt auffallend blass aus, „und wer war Rique, ich meine Enrique?“ „War?“, fragte José Luis erstaunt. Zu gern hätte er in dieser Situation eine Zigarette geraucht. Señor Fonseca schien merklich unruhig. „Kurz nach dem Streit, während Nic das Gebäude verließ, wurde Enrique erschossen. Er war sofort tot; zumindest haben das seine Leibwächter behauptet.“ Für José Luis war das Musik in seinen Ohren. Nur warum kehrte Antonio nicht nach Bogotá zurück? Seit Donnerstag waren immerhin fünf Tage vergangen. Und wer war dieser Kerl hier? „In Ordnung, dann mal Karten auf den Tisch. Wer sind Sie?“ 

27. März 2015

Osterei für Euch

Heute hab ich ein Osterei für Euch:

Fragwürdige Identität Teil 1 gibt es zur Zeit kostenlos:


Tag null

Sein Mund war auffallend trocken. Intensiv kribbelten seine Lippen, was sich anfühlte, als stünden sie unter Strom. Anfangs wurde diese Empfindung stärker, gleichzeitig nahmen auch die heftigen Kopfschmerzen zu. Allmählich ging das Kribbeln zurück und der zunehmende dumpfe Schmerz in seinem Kopf, der durch den Geruch von Desinfektionsmittel noch verstärkt wurde, beendete diesen Dämmerzustand. Ein gedämpftes rhythmisches Piepen drang in sein Bewusstsein. Die bisher langen Pausen dieses Tons verkürzten sich hörbar. Obwohl er wusste, dass hier etwas nicht stimmte, konnte er nicht bestimmen, was es war. Seine Gedanken waren wie vernebelt, als verwehre ihm eine Wand, auf sie zurückzugreifen. Ihm war nicht kalt, dennoch bemerkte er, dass seine Hände stark zitterten. Ein verhaltenes Stöhnen löste sich aus seinem kratzigen Rachen. Er hatte ungeheuren Durst. „Hey?“, sagte eine angenehme Frauenstimme leise, als wollte sie ihn nicht stören. „Mi Amor!“ Eine Hand strich ihm über die Stirn, woraufhin er versuchte, die Augen zu öffnen. „Ich hab ja gesagt, er ist ein Kämpfer!“ Diese dunkle Männerstimme rief ein merkwürdiges Unwohlsein in ihm wach. Er spürte einen zarten Kuss auf seiner Wange. „Sieh mich an, por favor!“ Seine Augenlider waren bleischwer, sie schienen wie zugeklebt. Nach einigen Versuchen gelang es ihm, sie zu öffnen. Er benötigte einen Augenblick, bis sich sein verschleierter Blick klärte. Große braune Augen strahlten ihn an. „Mi Amor! Wie fühlst du dich?“ Die langen schwarzen Haare der Unbekannten waren elegant nach oben gesteckt. Einige lockige Strähnen hingen ihr ins hübsche Gesicht. Sie lächelte. Er holte Luft, was ausgesprochen anstrengend war. „Wasser, por favor!“ Die Señora griff nach links zum Nachttisch, goss Wasser aus einer Flasche in ein Glas und setzte es ihm an die Lippen. Seine Arme fühlten sich ungewöhnlich schwer an, als er sie hob, um zu trinken. Das Zittern in seinen Händen ließ langsam nach. „Oh, Nicolás!“ Sie nahm ihm das Glas ab und streichelte mit ihrer anderen Hand sanft seine Rechte. Das Geräusch einer sich öffnenden Tür weckte seine Aufmerksamkeit. Eine Wandleuchte, die seitlich über seinem Bett hing, gab ein angenehm gedämpftes Licht. Schwerfällig richtete er den Blick auf den älteren Señor, der am Bettende stand. Ein jüngerer Señor, circa Mitte dreißig, im weißen Kittel trat nun auf ihn zu. Die hübsche, junge Señora zu seiner Linken ließ seine Hand los und trat zurück. „Da haben wir Sie ja wieder!“, der Arzt musterte intensiv sein Gesicht. Er stellte den Kopfteil des Bettes auf, zog eine kleine Stabtaschenlampe aus seiner Brusttasche und warf ihm einen Lichtschein auf das rechte, dann auf das linke Auge. „Das war knapp, Señor Rodríguez!“ Er wandte sich zu dem älteren Señor um. „Blutzucker und Nierenwerte normalisieren sich langsam. Ich denke, es geht jetzt bergauf.“ ›Señor Rodríguez‹ hatte ihn der Arzt angesprochen. Dieser Name kam ihm auf eine gewisse Art vertraut vor. Dennoch meinte er, dass dies nicht sein Name war. Aber wie hieß er? Weder diese attraktive, junge Dame noch der ältere Señor an seinem Bettende kamen ihm bekannt vor. Ein sonderbares Gefühl von Leere breitete sich mit dieser Überlegung in ihm aus. In seinem Gedächtnis gab es nichts, was vor seinem Erwachen geschehen war. „... ansprechbar ist, würde ich die Infusion nicht weiter fortsetzen. Ich schlage vor, wir konzentrieren uns wieder auf die Physiotherapie, damit er möglichst schnell in seine gewohnte Umgebung kommt.“ Der Arzt sprach offenbar mit dem Älteren, was ihm durch sein intensives Nachdenken entgangen sein musste. „Das wäre nach all den Monaten wirklich das Heilsamste.“ Fieberhaft suchte er nach einem Namen, nach einem Ereignis, nach einer winzig kleinen Erinnerung. Doch sein Kopf war wie leergeräumt. Seine Kopfschmerzen verstärkten sich. Schwerfällig fielen seine Augen zu. Die bleierne Müdigkeit überdeckte sogar das unangenehme Stechen in seinen Beinen, das mit jedem Moment zunahm. „Mi Amor“, klang eine besorgte Stimme wie aus weiter Ferne zu ihm. „Ich liebe dich, Nicolás.“ Er wusste, dass er gemeint war, doch schien ihm dieser dösende Zustand wie ein mächtiger Sog, der ihn ungewollt in den Schlaf zerrte.


An dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön an meine Lektorin, die hier großartige Arbeit leistet:




3. März 2015

2. Teil - Fragwürdige Identität


Vorschau auf   Teil 2 


Vater

Der Geruch von Benzin und Rauch lag in der Luft. Langsam beruhigte sich der Wellengang, der durch die Explosion ausgelöst worden war. Hektisch schwamm Nicolás suchend zwischen den brennenden Wrackteilen hin und her. Irgendwo mussten Falicia, Juan und die Crew-Mitglieder sein. „Nicolás!“ Jemand fasste ihn am Nacken. „Hier ist niemand mehr, für den du etwas tun könntest.“ Andrés versuchte, ihn aus dem Chaos herauszuziehen. Nicolás befreite sich, „hilf mir suchen!“ Erneut packte Andrés ihn am Arm. „Nicolás! Das hat keiner überlebt!“ „Das kannst du nicht wissen!“ „Sieh dich doch nur um! Du bringst dich sinnlos in Gefahr!“ Andrés‘ Griff wurde fester. „Komm jetzt!“ Energisch schüttelte Nicolás die Hand des Leibwächters seines Vaters ab. „Ich muss Falicia und Juan suchen!“ „Sei vernünftig, Nicolás!“ Andrés ergriff abermals seine Schulter, „du solltest gar nicht hier sein!“ „Vorsicht! Links!“, rief jemand. Aus den Augenwinkeln erfasste Nicolás ein brennendes Wrackteil, welches zur Seite kippte und geradewegs auf ihn zu fallen drohte. Instinktiv tauchte er unter und wich dabei der direkten Gefahr aus. Er spürte noch ein Brennen am linken Schulterblatt, dann wurde er mit einem kräftigen Griff am rechten Oberarm zur Seite und an die Wasseroberfläche gezogen. „Komm zur Vernunft!“ Rodrigo fasste ihn grob an die Kehle. Mit seiner Linken versuchte Nicolás, sich von Rodrigos Hand an seinem Hals zu befreien, gleichzeitig drehte Andrés ihm jedoch seinen rechten Arm auf den Rücken, bis Nicolás aufstöhnte. Rodrigo kam mit seinem Gesicht so nah an Nicolás‘ heran, dass er seinen Atem spürte. „Beruhige dich! Du machst niemanden lebendig, wenn du dich selbst in Lebensgefahr begibst!“  Nur geringfügig lockerten die beiden ihre Griffe, schleppten ihn aus dem flammenden Chaos heraus. „Falicia!“, hörte er sich flüstern. Damit wurde ihm bewusst, dass seine Frau, sein bester Freund tot waren, sein Zuhause zerstört. Vor seinem geistigen Auge sah er diesen Arm ohne Körper vor sich, an dem blutiges Fleisch, Sehnen und Knochensplitter herausquollen. Er hatte so unwirklich ausgesehen, als sei es ein Requisit aus einem Horrorfilm. Das konnte nicht die Realität sein, wahrscheinlich war das alles nur ein lebhafter Traum. „Mi Amor“, glaubte er Falicia flüstern zu hören. Er dachte an die innigen Küsse, mit denen sie ihn im Krankenhaus begrüßt hatte, an das wohltuende Gefühl, umsorgt zu werden. „Nicolás!“, beförderte ihn eine energische Stimme neben ihm in die Wirklichkeit zurück. Rodrigos Hand war von seiner Kehle verschwunden und Andrés schob ihn zur Schwimmplattform der Yacht seines Vaters. „Bist du in Ordnung?“ „Sí!“, hörte sich Nicolás antworten. Er fühlte sich seltsam, sein eigener Körper war ihm augenblicklich fremd. Mechanisch zog er sich aus dem Wasser, blieb benommen am Rand der Plattform sitzen und starrte fassungslos auf die überall verstreuten Reste der Yacht, welche einmal sein Zuhause gewesen war. Eines der brennenden Wrackteile verglimmte im selben Moment, als sein Blick darauf fiel, und schien mit den seichten Wellen in der Dunkelheit zu verschmelzen. „Das hätte nicht passieren dürfen!“, vernahm er die Stimme seines Vaters über sich. „Heilige Mutter Gottes!“ Sein Vater näherte sich ihm. „Was hast du dir nur dabei gedacht?“ Erst jetzt bemerkte er, wie stark er zitterte und wie kalt es ihm war. Sein Vater berührte ihn an den Schultern. „Nicolás? Sieh mich an!“ So sehr er sich auch bemühte, es gelang ihm nicht, sich umzudrehen. „Er wird einen Schock haben!“ Das war Catalinas Stimme. Sie hockte sich neben ihn, ergriff seine Linke und entnahm seinem Zeigefinger einen Blutstropfen. „Don Nicolás? Sehen Sie mich an, por favor!“ Endlich löste er seinen Blick aus der Unendlichkeit, schien aus seiner Starre herauszukommen. Catalina sah ihm prüfend in die Augen. Obwohl er sie vor sich sah, meinte er, sie wäre meilenweit entfernt. Dieses Unglück schien etwas tief Verborgenes in ihm wachzurufen, das ihm den Atem raubte.


27. Januar 2015

Erster Teil




Fragwürdige Identität 

erschienen im Verlag Edition Bärenklau


Teil 1 von 3!


Ohne jede Erinnerung erwacht ein Mann im Krankenhaus aus einem diabetischen Koma. Man nennt ihn Nicolás Rodriguez. Er selbst erinnert sich jedoch nicht an diesen Namen, erkennt weder seine Frau Falicia noch seinen besten Freund Juan. Ja, sogar sein angeblicher Vater ist ihm unbekannt. Selbst seine Wohnung kommt ihm fremd vor und schließlich ist er überzeugt, dass eine Verwechslung vorliegt. Seine Zweifel beginnen sich aufzulösen, als er sich ein Video ansieht, welches ihn während seiner sechs Monate dauernden Geiselhaft zeigt. War die Folter, der er dort ausgesetzt war, der Auslöser für seinen Gedächtnisverlust? Oder hat das alles ganz andere, mysteriösere Hintergründe?

Obwohl er Beweise für seine Identität findet, stellt er sie immer wieder in Frage. Nichts scheint wirklich hundertprozentig zu passen. Nicolás Rodríguez - ist er wirklich dieser Mann?

Und warum war er eine Geisel? Die Zweifel türmen sich haushoch vor ihm auf. Und dann gibt es eine Explosion…



Jetzt für 2,99 €!!!


Überall wo es E-Books gibt!


Ich freue mich sehr auf Eure Rezensionen!


18. Dezember 2014

Wer ist Señor Rodríguez?



Fragwürdige Identität Auszug aus Teil 1

Tag null

Sein Mund war auffallend trocken. Intensiv kribbelten seine Lippen, was sich anfühlte, als würden sie unter Strom stehen. Anfangs wurde diese Empfindung stärker, damit nahmen aber auch die heftigen Kopfschmerzen zu. Gemächlich ging das Kitzeln zurück, der dumpfe zunehmende Schmerz im Kopf, der durch den Geruch von Desinfektionsmittel verstärkt wurde, beendete diesen Dämmerzustand. Ein gedämpftes rhythmisches Piepen drang in sein Bewusstsein. Die bisher langen Pausen verkürzten sich hörbar. Obwohl er wusste, dass hier etwas nicht stimmte, konnte er nicht bestimmen was. Seine Gedanken waren vernebelt, als verwehre ihm eine Wand, darauf zurückzugreifen. Behaglich warm war ihm, dennoch begannen seine Hände zu zittern. Ein verhaltenes Stöhnen löste sich aus seinem kratzenden Rachen. Er hatte ungeheuren Durst. 
»Hey?«, sagte eine angenehme Frauenstimme leise, als wollte sie ihn nicht stören. »Mi Amor!« Eine Hand strich ihm über die Stirn, so dass er versuchte die Augen zu öffnen. 
»Ich hab ja gesagt, er ist ein Kämpfer!« Diese dunkle Männerstimme rief ein merkwürdiges Unwohlsein ihn ihm wach. 
Er spürte einen zarten Kuss auf seiner Wange. »Sieh mich an, por favor!« Seine Augenlider waren bleischwer, vielmehr meinte er, sie seien zugeklebt. Nach einigen Versuchen gelang es ihm, sie zu öffnen. Er benötigte einen Augenblick, bis sich sein verschleierter Blick klärte. Große braune Augen strahlten ihn an. »Mi Amor! Wie fühlst du dich?« Ihre schwarzen langen Haare waren elegant nach oben gesteckt. Drei lockige Strähnen hingen ihr ins hübsche Gesicht. Sie lächelte.
Er holte Luft, was anstrengend war. »Wasser, por favor!«
Die Señora griff nach links zum Nachttisch, goss Wasser aus einer Flasche ins Glas und setzte es ihm an die Lippen. Seine Arme fühlten sich ungewöhnlich schwer an, als er sie hob, um zu trinken. Das Zittern in seinen Händen ließ nach. 
»Oh, Nicolás!« Sie nahm ihm das Glas ab, wobei sie ihre andere Hand sanft um seine Rechte strich. Das Geräusch einer sich öffnenden Tür weckte seine Aufmerksamkeit. Eine Wandleuchte seitlich von seinem Bett gab ein angenehm gedämpftes Licht. Schwerfällig richtete er den Blick auf den älteren Señor, der am Bettende stand. Ein jüngerer Señor, Mitte dreißig, im weißen Kittel kam nun von der Tür her auf ihn zu. Die hübsche junge Señora zu seiner Linken legte seine Hand aufs Bett ab und trat zurück. 
»Da haben wir Sie ja wieder!«, sagte der Arzt und schien sein Gesicht intensiv zu mustern. Er stellte das obere Bettteil ein Stück auf, zog eine kleine Stabtaschenlampe aus seiner Brusttasche und warf ihm einen Lichtschein auf das rechte, dann auf das linke Auge. »Das war knapp, Señor Rodríguez!« Er wandte sich zu dem älteren Señor um. »Blutzucker und Nierenwerte normalisieren sich langsam. Ich denke, es geht jetzt bergauf.« 
›Señor Rodríguez‹, hatte ihn der Arzt angesprochen. Dieser Name kam ihm auf eine gewisse Art vertraut vor. Dennoch meinte er, das wäre nicht sein Name, aber wie hieß er? Weder diese attraktive junge Dame noch der ältere Señor an seinem Bettende kamen ihm bekannt vor. Ein sonderbares Gefühl von Leere breitete sich mit dieser Überlegung aus. In seinem Gedächtnis gab es nichts, was vor dem Erwachen geschehen war. 
»... ansprechbar ist, würde ich die Infusion nicht weiter fortsetzen. Ich schlage vor, wir konzentrieren uns wieder auf die Physiotherapie, damit er möglichst schnell in seine gewohnte Umgebung kommt.« Der Arzt sprach offenbar mit dem Älteren, was ihm durch sein intensives Nachdenken entgangen sein musste. »Das wäre nach all den Monaten wirklich das Heilsamste.« 
Fieberhaft suchte er nach einem Namen, nach einem Ereignis, nach einer winzig kleinen Erinnerung. Doch sein Kopf war wie leergeräumt. Seine Kopfschmerzen verstärkten sich. Schwerfällig fielen seine Augen zu. Bleierne Müdigkeit überdeckte sogar das Brennen in seinen Beinen, das mit jedem Moment zunahm. 
»Mi Amor«, klang eine besorgte Stimme wie aus weiter Ferne zu ihm. »Ich liebe dich, Nicolás.« Dieser dösende Zustand schien ihm wie ein mächtiger Sog, der ihn ungewollt in den Schlaf zerrte.

24. November 2014

Fragwürdige Identität

Erinnert Ihr Euch noch an den "Überfall" von Ende August?

Aus dem Überfall ist nun eine Überraschung geworden!

Stolz darf ich Euch präsentieren:

Die erste Fortsetzung des erfolgreichen Thrillers ¿Identität? erscheint noch zu Weihnachten 2014 in der Editon Bärenklau mit dem Titel:
"Fragwürdige Identität"



Die Kollegen HORST BIEBER und HENRIK NEISSER  freuen sich mit der 
über den Zuwachs.

30. September 2014

Frage an Euch

Wie ich kürzlich bereits angekündigt habe, schreibe ich augenblicklich an einem zweiten Teil von ¿Identität?

Meine Hauptfigur heißt diesmal "Nicolás Rodríguez"

 1



Welche Version findet Ihr beim ersten Anblick 
am Ansprechendsten? 

 2










3                oder                  4






Vielleicht könnte für Euch der Buchtitel noch wichtig sein, "Verlorene Identität"

Ich freue mich über jede Meinung von Euch:

10. September 2014

Szene zur Lesung

Mit diesem Text stelle ich gern mein Buch

"¿Identität?" vor.

Diese Stelle eignen sich ganz wunderbar zum Vortragen, da man auch ohne Vorkenntnisse in die Gesichten hineinfindet.


Verwirrt IX
Ein lautes Geräusch riss Katharina aus ihrem Traum. Erschrocken machte sie die Augen auf, versuchte etwas zu erkennen. Beim nächsten Knall zuckte sie heftig zusammen. Das Licht schmerzte beim Hinsehen, sie musste blinzeln und erkannte nach einigen Sekunden einen offenen Basketballplatz. Sie saß mit dem Rücken an eine Wand gelehnt, spürte dabei ihr Zittern. Erneut prallte der Ball geräuschvoll gegen das Basketballbord. »¡Hierher!«, rief ein Jugendlicher.
Ein anderer rempelte ihn an. »¡Trottel!«
»¡Hey, Alte! ¡Zieh Leine!« Ein Halbstarker im Scheunentorformat zerrte sie an den Schultern in die Höhe. »¡Schlaf deinen Rausch woanders aus!« Er schubste Katharina vom Spielfeld, sodass sie stolperte und zu Boden fiel. Ihr langes Haar schützte sie wie ein Vorhang vor dem unangenehmen Licht. Mit viel Kraftaufwand kam sie wieder auf die Beine. Sie torkelte mehr, als dass sie lief. Ihr Mund war trocken, ihre Lippen fühlten sich geschwollen und aufgerissen an. Jede Faser ihres Körpers schmerzte, als habe sie Gliederschmerzen. Am Schlimmsten waren die Kopfschmerzen mit dieser ungewöhnlichen Lichtempfindlichkeit. Erst jetzt begann sie sich über ihre Situation bewusst zu werden. Sie suchte nach ihrem Namen. Er wollte ihr nicht einfallen. Wo war sie? Wie war sie hierhergekommen? Blinzelnd versuchte sie, sich zu orientieren, wankte die Straße hinunter. Angestrengt erinnerte sie sich, was passiert war. Antonio! Sie hatte für ihn in dem Laden für Künstlerbedarf ein Geschenk gekauft, um sich anschließend auf den Weg zu seiner Wohnung zu machen. Aber da war es schon dunkel gewesen, und nun war es hell. Katharina hieß sie, Katharina Clausen. Vor einigen Wochen war sie nach Kolumbien gekommen, um hier zu arbeiten. Langsam kamen ihre Gedanken in Gang. Ihre Vergangenheit war nicht verloren. Plötzlich spürte sie heftige Übelkeit, ihr Magen rebellierte. Sie blieb stehen, hielt mit der einen Hand ihr offenes Haar zurück und mit der anderen fasste sie sich auf den schmerzenden Bauch. Sie beugte sich vor, um die aufkommende Katastrophe von sich fernzuhalten. Schwer atmend ging sie weiter. Für ein Glas Wasser hätte sie in diesem Augenblick alles gegeben. Sie zuckte zusammen, als ein Auto hupte. Wie erwacht sah sie sich um. Sie stand mitten auf der Fahrbahn vor der Motorhaube eines Geländewagens. »¡Passen Sie doch auf, Señora!«
Was war nur los mit ihr? Erneut blieb sie stehen, schaute an sich herunter. Ihre hellgraue Stoffhose war schmutzig und am linken Oberschenkel eingerissen. Eine Jacke, die sie an diesem kühlen Tag hätte gut gebraucht können, fehlte. Weder in der kleinen Vordertasche ihrer ebenfalls befleckten Bluse noch in den Taschen der Hose fand sich auch nur ein einziger Peso. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wo sie war und wie sie nach Hause finden sollte. Mit dieser Situation fühlte sie sich völlig überfordert. Nach ein paar Straßenecken kam ihr eine ältere Frau in abgetragenen Kleidern entgegen. »¡Entschuldigung!«, sprach Katharina sie an. Die ältere Frau musterte sie. »¿Señora?« »Verzeihung!« Ihr Mund war so entsetzlich trocken. »¿Können Sie mir sagen, wie diese Straße hier heißt, bitte?« »Calle 46AS.« Die Frau zeigte geradeaus. »Dort vorn kommen Sie auf die Carrara 3E.« Obwohl es Katharina angesichts der fremden Umgebung geahnt hatte, kam diese Antwort einer heftigen Ohrfeige gleich. In Bogotá war das Straßensystem durchnummeriert. Die Straßen in der Nord-Süd-Richtung hießen »Carrera«, die Ost-West-Wege »Calle«. Sie befand sich irgendwo im ärmlichen Süden der Stadt und musste nun versuchen, Richtung Norden die Calle 97 zu finden, ohne auch nur einen Peso in der Tasche. Katharina zweifelte, ob sie in ihrem derzeitigen Zustand in der Lage war, diese Strecke von mindestens drei Stunden zurückzulegen. Andererseits hatte sie keine Wahl. Mit einem tiefen Atemzug setzte sie ihren Weg fort. Ihr Magen rebellierte abermals, nur diesmal wusste sie nicht, ob vor Hunger oder vor Schwindel. Sie schluckte wiederholt, mit Erfolg. Was war nur auf dem Weg zu Antonios Wohnung passiert? Bildfetzen von drei Militärpolizisten tauchten für den Bruchteil einer Sekunde vor ihrem Auge auf. Sie versuchte sich zu erinnern, ob die Militärpolizei sie festgenommen hatte? Nur warum? Sie hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen. Diese ganze Situation war seltsam. Hätte sie zu viel getrunken, würde sie die Erinnerungslücke nachvollziehen können, aber der gestrige Abend war wie ausgelöscht. Sie konnte nicht einmal bestimmen, ob sie Antonios Wohnung erreicht hatte. Grübelnd lief sie die Straßen entlang. Mit Hilfe der umliegenden Berge versuchte sie, sich zu orientieren, ihre Richtung beizubehalten. Ihr Zeitgefühl war dahin. Vielleicht war sie eine Stunde unterwegs oder sogar schon zwei? Vor einem kleinen Laden saß ein Mann auf einem Hocker. Seine faltigen Hände hielten eine Tageszeitung hoch, sodass Katharina sein Gesicht nicht erkennen konnte, dafür jedoch die Titelseite der Zeitung. Beiläufig fiel ihr Blick auf das Datum. Ihr stockte der Atem. Reflexartig landete ihre rechte Hand auf dem Mund. Dienstag! Ihr fehlten ganze drei Tage! Verdammt, was war nur passiert? Sie rieb sich über das Gesicht und hoffte, eine klitzekleine Erinnerung wiederzufinden. Vergeblich! Mit dieser Erkenntnis wurde ihr bewusst, wie erschöpft sie sich fühlte. Sie sehnte sich nach einem Bett, zumindest aber nach einer Sitzgelegenheit. Zu allem Überfluss begann es zu regnen. Katharina spürte die feuchte Kälte auf ihrer Haut. Sie zitterte selbst beim Laufen. Ihre Kopfschmerzen ließen glücklicherweise nach, sogar der Schwindel ging zurück, nur ihr Magen knurrte, und das tat wirklich weh. Jeder Meter, den sie zurücklegte, forderte eine gehörige Portion Disziplin, die sie in manchen Augenblicken kaum aufzubringen vermochte. Nur der Gedanke an Antonio, an seine dunkle angenehme Stimme und an sein begehrenswertes Wesen trieb sie voran. Sie lief immer weiter ... Plötzlich blieb sie stehen. Auf den Hinweisschildern sprang ihr »Monumento los Heroés« ins Auge. Das Museum, an dem sie auf dem Weg ins Büro vorbei kam! Vassquéz lag hier näher als Antonios Wohnung, und bestimmt war er jetzt nicht zu Hause. Sie schaute sich um, ob sie sich auch nicht irrte. Nein, sie war auf dem richtigen Weg. Mit jedem Schritt wurden ihre Beine schwerer. Schleppend kam sie voran. Zu gern hätte sie sich irgendwo hingesetzt, sich ausgeruht. Andererseits war sie nun schon so lange unterwegs, da sollte ihr der Weg zur Firma gelingen. Dort war es sicherer als auf der Straße. Noch einen Block, dann hatte sie es geschafft. Das letzte Stück schien bergauf zu gehen und verlangte all ihre Kraft. Endlich stand sie vor dem Haupteingang von Vassquéz und drückte die Tür auf. »¡¿Señora?!« Enrique eilte mit weit aufgerissenen Augen auf sie zu. »¡Ach du Schreck! ¡Setzen Sie sich!« Er schob sie auf die Ledercouch in der Eingangshalle. Es war ein erlösendes Gefühl für sie, sich hinzusetzen und die Füße entlasten zu können. »¿Könnte ich ein Glas Wasser bekommen, bitte?« Katharina bemerkt, wie ihr Magen erneut rebellierte. »¡Einen Augenblick!« Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen, versuchte aber, nicht einzuschlafen. »¿Señora?« Enrique hielt ihr einen Becher vors Gesicht. »¡Gracias!« Sie genoss jeden Schluck. Noch nie war ihr aufgefallen, wie köstlich Wasser schmeckte. Ihr ging es gleich viel besser. Sie hörte Enrique sprechen. Er klang dabei sehr aufgeregt. »¡Die Señora ist hier, Doñ Antonio!« Es war kurz still. »¡Sí! Vor zwei Minuten.« Eine weitere Pause folgte. »Ich weiß nicht. ¡Sí! Furchtbar mitgenommen.« Offenbar telefonierte er. »¡Sí! ¡Sí! ¡Natürlich!« Bestimmt würde Enrique ihr ein Taxi bestellen, dann konnte sie nach Hause ins Bett und schlafen. Sie stand auf, wobei ihr für den Moment schwarz vor Augen wurde. »¡No! ¡No! ¡No!« Enrique drängte sie auf die Couch zurück. »¡Sie bleiben, Señora!« »Ich möchte ...«
»Doñ Antonio ist auf dem Weg hierher. Er hat sich große Sorgen um Sie gemacht, und ich habe ihm versprochen, bis zu seinem Eintreffen auf Sie achtzugeben.« Antonio! Ja, auf ihn wollte sie warten. Sie fühlte sich am Ende ihrer Kräfte, stützte die Ellenbogen auf ihre Knie, um den Kopf auf die Hände zu legen. Erschöpfung und Müdigkeit drohten sie zu packen. Sie musste für einen Augenblick eingenickt sein, denn sie schreckte von einem Geräusch auf. Im Augenwinkel sah sie jemanden auf sich zu kommen.
»Katharina!« Antonios Stimme verriet eine Mischung aus Erleichterung und Bestürzung. Sie schaute ihm ins Gesicht. Bestimmt sah sie furchtbar aus, doch das war ihr jetzt egal. Er nahm ihre Hände. »Du bist zurück!« Er wirkte bewegt. »Du lebst!«
Das Sprechen fiel ihr schwer. »Ich fühle mich schrecklich.« Sie realisierte, wie wahr ihre Worte waren. »Ich begleite die Señora zum Wagen, Doñ Antonio.« Es kostete sie viel Beherrschung, sich trotz der Hilfe von Enrique auf den Beinen zu halten. Erschöpft ließ sie sich auf dem Rücksitz des Taxis nieder.

»Katharina!« Antonio legte seinen Arm um ihren Nacken. Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter und sank augenblicklich in sich zusammen.

Wie findet Ihr die Szene? Kommt man rein?

¿Identität?



4. Juli 2014

Fußballprofi, Musikerin und Schriftsteller

Der junge Fußballprofi aus Cúcuta, James Rodriguez, die bekannte Musikerin Shakira aus Barranquilla und der unvergessene Gabriel José García Márquez aus Aracataca haben eines ganz bestimmt gemeinsam:eine wundervolle Heimat, ein vielfältiges vor allem aber reizvolles Land, welches noch heute unter den Folgen des Bürgerkrieges zu leiden hat.

Kolumbien bietet, um nur einen winzigen Einblick zu geben, das tropische Amazonasgebiet im Südosten, die gigantischen Ausläufer der Anden im Südwesten und die herrliche Karibikküste im Norden.

Genau das hat Katharina Clausen vor langer Zeit an diesem Land so fasziniert. Jahrelang trug sie diese unstillbare Sehnsucht, nach Kolumbien zurückzukehren, in sich.
Im Auftrag der deutschen Firma ›Kormo-Tech‹ erhält Katharina die Chance mit der kolumbianischen Firma ›Vassquéz‹ ein Gemeinschaftsprojekt auf die Beine zu stellen.
Anfangs scheint ihr der charismatische Geschäftsmann Antonio Nicoljaro aus dem Weg zu gehen. Zu dem netten Ehepaar Muñoz, die ebenfalls für Vassquéz arbeiten, findet Katharina hingegen schnell einen Draht und freundet sich mit den beiden an. Der Besuch bei einem abendlichen Basketballspiel bleibt für Katharina nicht ohne Folgen. Doch bevor sie die Gelegenheit bekommt, sich mit Señor Nicoljaro zu treffen, muss Katharina mit der kriminellen Seite der Stadt Bekanntschaft machen.
Dass dieser Überfall nur inszeniert war, wird erst viel später klar.

Leseprobe aus dem Buch ¿Identität?:
Beim Ausschalten des Handys fiel ihr Blick auf die leere Stuhlreihe auf der Tischseite, wo nur noch Señor Nicoljaro saß. Zwischen den verchromten Stuhlbeinen, die durch die Sonne aufblitzten, funkelten die Speichen eines Rollstuhls. Hastig drehte sich Katharina zum Fenster um. Hoffentlich hatte keiner ihr blödes Gesicht gesehen, das sie soeben zweifelsohne gemacht haben musste.
Jetzt war ihr natürlich klar, warum an dieser Stelle kein Stuhl stand. Deshalb war er nicht von Anfang an dabei, er fühlte sich vielleicht unwohl, als einziger sitzenbleiben zu müssen. Ihr Mund war plötzlich trocken. Mit ihrer Geste, aufzustehen, hatte sie ihn vermutlich in eine unangenehme Situation gebracht.

¿Identität? ist für mich nicht nur einfach ein Thriller, dieses Buch, ist eine Liebeserklärung an das Land Kolumbien, welches mich selbst vor langer Zeit in seinen Bann gezogen hat.

Leseprobe:
Mit jedem Schritt gewann sie einen Eindruck von dem geräumigen Büro. Der Schreibtisch, hinter dem Señor Nicoljaro saß, stand diagonal vor der linken Ecke am Fenster. Beim Anblick ihres Geschäftspartners spürte sie einen Ruck in sich. Sie schloss zunächst von innen die Tür.
»Bitte setzen Sie sich!«
Katharina musterte sein Gesicht. Auf seiner rechten Stirn klaffte eine Platzwunde, die er mit seinem langen Haar zu verstecken versuchte. Weitere Abschürfungen am Wangenknochen und am Kinn waren am Verschorfen. Seine Hände, die auf dem Tisch lagen, wiesen Quetschungen und Schnittverletzungen auf. »Hören Sie, wir können das Gespräch gern vertagen. Es ist ja nicht zu übersehen, dass ...«
»Unsinn!« Er schüttelte den Kopf. »Mir geht es gut.«
Das nahm Katharina ihm jedoch nicht ab. Er sah auffallend blass aus.
»Wie ich hörte, sind Sie bereits auf den möglichen Standort Barranquilla aufmerksam geworden. Eigentlich hätte ich Ihnen das lieber persönlich erklärt.« Katharina musste ständig auf die Platzwunde schauen, während Señor Nicoljaro sprach. »Die Lagerhallen dort würden sich gut für einen Produktionsort eignen, allerdings sind damit enorme Kosten verbunden, die ich im Augenblick nicht aufbringen kann.« Er atmete schwer, als sei ihm nicht gut.

Neben dem Schreiben von ¿Identität? waren unzählige Stunden Nachforschungen notwendig, um den Thriller authentisch darzustellen.
Die ›Deutsche Borschaft‹ in Bogotá,
die Firma ›NOVO-TECH GmbH & Co. KG‹, Hersteller der umweltfreundlichen Terrassendielen, und der nette Rollstuhlnutzer Kay Macquarrie, sie alle haben sich geduldig meinen nervigen Fragen gestellt, mich damit bei meinen Recherchearbeiten unterstützt.
An dieser Stelle erntete ich von Kay einen riesigen Smilie:

Leseprobe:
Augenblicklich spürte Katharina eine mächtige Unsicherheit in sich wachsen. Sie hatte keinerlei Erfahrungen mit Rollstuhlfahrern. Während Antonio auf den Eingang des Restaurants zurollte, nahm Rubén sie zur Seite. »Kleiner Tipp, er kann es nicht ausstehen, geschoben zu werden. ¡Und nun wünsche ich euch viel Spaß!«
»¡Gracias! Das ist gut zu wissen.« Zumindest war das ein Anfang, um mit dieser unbekannten Situation umzugehen.

Das ursprüngliche Manuskript verfasste ich 2005, zu dieser Zeit war Álvaro Uribe Vélezder kolumbianische Präsident und Katharina speicherte ihre Daten auf einer Diskette.
Ende 2012 begann ich mir das Werk erneut vorzunehmen und habe mit der Unterstützung meines geschätzten Kollegen Roland Lampe, der das Lektorat übernahm, das Buch fertig gestellt.

Einerseits war es für mich eine große Herausforderung, mich in die Rolle eines Rollstuhlnutzters hineinzuversetzen, anderseits lag aber genau dort der Reiz und letzten Endes auch das Geheimnis um Antonios Identität.

Lesermeinungen:

»Angela Planert schafft es, eine Geschichte so zu gestalten, dass man mit fiebert, immer wieder vor Rätseln steht und wirklich im Dunklen tappt was die ganzen kleinen und großen Geschichten miteinander zu tun haben. Es wird keine Zeile langweilig, die Spannung zieht sich durch das ganze Buch und gibt dem Leser eine einzige Möglichkeit ... dranbleiben und durchlesen.
Das Ende ist supergemacht so wie das ganze Buch sehr empfehlenswert!«

»Die Charaktere sind alle gut beschrieben und realistisch dargestellt. Toll fand ich die »Entwicklung« von Antonio, der anfangs eher kalt und arrogant wirkt aber eigentlich sehr nett ist. Bei allem, was er durchmachen musste, ist sein Verhalten aber kein Wunder.
Allerdings beginnt man sich irgendwann zu fragen, wer er wirklich ist und was von seinem Verhalten echt oder gespielt ist.
Aus der anfänglichen Liebesgeschichte entwickelt sich sehr schnell ein spannender actionreicher Thriller mit vielen offenen Fragen. Trotz der vielen Wendungen und immer neuen und größeren Katastrophen wirkt das Buch nicht überladen und bleibt bis zu Ende hin unglaublich spannend.«

»Aus einer zaghaften Liebesgeschichte wird unversehens ein spannungsgeladener Thriller, der mit unglaublichen, nicht mehr enden wollenden Wendungen aufwartet. Dabei bleibt die Spannung auf durchgängig hohem Niveau, sodass ich das Buch erst wieder aus der Hand legen konnte, als ich wusste, wie es ausgeht. Figuren und Dramaturgie sind großartig, die Sprache liest sich flüssig, lediglich die Rückblenden und die Gestaltung der spanischen Dialoge fand ich ein wenig unglücklich. Für mich persönlich ergibt das Gesamtbild ein „gut“ und vier Wertungspunkte, obwohl ich gerne mehr gegeben hätte.
Mein Fazit: Nervenaufreibender Thriller mit tollen Figuren und unglaublichen Wendungen. Lesenswert!«

26. Juni 2014

Buchtipp

Leseprobe


Leser - Meinung zum Buch: 


Eine wirklich spannende Mischung aus Thriller und Liebesgeschichte. 

Das Buch ist großteils aus der Sicht von Katharina erzählt und man kann sich gut in sie hinein versetzen. Der tolle und flüssige Schreibstil fesselt einen an das Buch. Ich konnte es kaum aus der Hand legen.
Sehr gelungen fand ich den Einbau der Umgebung, des Landes und der Sprache in die Geschichte. Die spanische Sprache ist sehr schön eingearbeitet und man versteht trotzdem alles (auch wenn man so wie ich kein Wort spanisch kann!).

Die Charaktere sind alle gut beschrieben und realistisch dargestellt. Toll fand ich die "Entwicklung" von Antonio, der anfangs eher kalt und arrogant wirkt aber eigentlich sehr nett ist. Bei allem was er durchmachen musste ist sein Verhalten aber kein Wunder.
Allerdings beginnt man sich irgendwann zu fragen wer er wirklich ist und was von seinem Verhalten echt oder gespielt ist.

Aus der anfänglichen Liebesgeschichte entwickelt sich sehr schnell ein spannender actionreicher Thriller, mit vielen offenen Fragen. Trotz der vielen Wendungen und immer neuen und größeren Katastrophen wirkt das Buch nicht überladen und bleibt bis zu Ende hin unglaublich spannend.

¿Identität? gibt es überall, wo es E-Books gibt!

Hier eine kleine Auswahl an Links:


¿Identität? - Gesamtausgabe auf Thalia

¿Identität? aus Amazon


¿Identität? auf Google Play


¿Identität? Gesamtausgabe auf Weltbild


¿Identität? - Gesamtausgabe auf Kobo 


oder 

als 

Taschenbuch



Das E-Book gibt es auch in zwei Teilen 

(für alle, die sich nicht gleich die Gesamtausgabe kaufen möchten)

¿Identität? (Teil 1 Sehnsucht)

¿Identität? (Teil 2 Vergessen)






2. Juni 2014

Lebendige Lesung

am 20. Juni 2014
um 19:00 Uhr

in Berlin Lankwitz
Zietenstraße 24
Film-Kultur-Café Lankwitz  


Lebendige Lesung heißt, ein Buch erleben!

5. April 2014

Der Buchtitel "Identität?"


Ein Buchtitel findet sich bei manchen Werken von selbst, bei anderen Romanen fällt es schwerer die passenden Überschrift zu finden.

Bei »¿Identität?« war es es anfangs für mich schwierig, 730 Seiten spannenden Lesestoff in einem Wort zu komprimieren.

In dem Thriller dreht sich der erste Teil (Sehnsucht) der Geschichte mehr um die hübsche Katharina, im zweiten Teil (Vergessen) um einen attraktiven gehbehinderten Antonio.

Die Frage nach Antonios Identität bewegt nicht nur Katharina mit ihren Freunden. Sie fragen sich natürlich, »wer ist Antonio wirklich? Warum lebt er mit dem Namen eines toten Kindes?«


Welcher Titel wäre da passender als »¿Identität?«?



28. März 2014

Auflösung

Für Eure rege Teilnahme an meinem Gewinnspiel zu Drachenseele bedanke ich mich herzlich!

Ich hoffe, Euch hat es mindestens soviel Spaß gemacht wie mir! 

Neue Chance, neues Glück:
 Diesmal ein Gewinnspiel zum Thriller ohne Suchen! Nennt mir einfach Euren Favoriten und schon seit Ihr im Lostopf!



Insgesamt sind es zehn Unterschiede:

Zwei richtige Antworten waren von 
und
dabei!

Herzlichen Glückwunsch Sandra!
Herzlichen Glückwunsch Melanie! 

Ihr habt das E-Book "Drachenseele" gewonnen!