24. November 2014

Fragwürdige Identität

Erinnert Ihr Euch noch an den "Überfall" von Ende August?

Aus dem Überfall ist nun eine Überraschung geworden!

Stolz darf ich Euch präsentieren:

Die erste Fortsetzung des erfolgreichen Thrillers ¿Identität? erscheint noch zu Weihnachten 2014 in der Editon Bärenklau mit dem Titel:
"Fragwürdige Identität"



Die Kollegen HORST BIEBER und HENRIK NEISSER  freuen sich mit der 
über den Zuwachs.

14. November 2014

Weihnachtliches Wunder

Auf Lovelybooks wurde das Buch "Weihnachtliches Wunder"

 von den Lesern auf 

Platz 1 

unter den 

"schönsten Weihnachtsbücher für Kinder und Jugendliche" 

gewählt!


Dankeschön für diese großartige Auszeichnung!


Dagmar Lüke hat zu dieser Geschichte liebevolle Zeichnungen angefertigt und "Weihnachtliches Wunder" damit perfektioniert!


Buchauszug:
Ein kalter Schauer fuhr ihm über den Rücken, als er an die Vergangenheit dachte. Von den dürftigen Mahlzeiten und den strengen Vorschriften der Mönche abgesehen erschien ihm das Kloster richtig gruselig. Einmal in jedem Monat war eine schwarze Kutsche vorgefahren, aus der ein besonders gut gekleideter Mann ausgestiegen war. Er trug einen Rock aus dunkelgrünem Brokatstoff mit goldenen Lilien darauf, eine dunkelgrüne Hose und schwarze Lederschuhe. Mit einer solch warmen Kleidung ließ es sich bestimmt gut durch den Winter kommen. Trotz seines vornehmen Äußeren mochte Erylan diesen Mann nicht. Dessen auffallend hellblauen Augen schienen ihm so eisig wie jener Wind, der ihm jetzt entgegenblies.


 Buchauszug:
Tief aus seinem Herzen drängte sich ein geräuschvoller Seufzer in den Raum. Erylan stand kurz auf, bückte sich und legte drei größere Holzstücke ins Feuer, dann setzte er sich wieder auf die Truhe. 
Er dachte zurück an sein letztes Weihnachtsfest ...


21. Oktober 2014

Agoniten - Vorschau

AGONITEN
Schicksal des heiligen Priesters
Selenorischer Roman V

Aufgewachsen im Regenwald muss der junge Elyian gegen seinen Willen die Priesterschule in Pachacamo besuchen. Nach seiner Weihe zum Priester der Baukunst zieht er mit seinem Großvater, einem angesehenen Baumeister, nach Campopamac, um eine Arena für Wettkämpfe zu errichten. Immer wieder offenbaren sich ihm geheimnisvolle Visionen, die er als Quetzal, einem Paradiesvogel aus Guatemala, erlebt. Wie durch ein Wunder überlebt er eine Katastrophe und wird fortan als Heiliger angesehen.

Nach dem Tod seines Großvaters verbringt er viele Monde an der Stätte seines Wirkens, um das gemeinsam begonnene Werk zu vollenden.
Eines Tages muss er gegen einen geheimnisvollen Fremden zu einem Wettkampf der besonderen Art antreten und landet auf dem berüchtigten Opferstuhl der Agoniten.


BEGEGNUNG
Elyian wagte nicht, sich zu bewegen. Die grüne Mamba züngelte mit ihrer Zunge in seine Richtung. Sie hatte ihn bemerkt. Bewegungslos verharrte er in seiner unbequemen Position, seine Hände stemmten sich mit gestreckten Armen auf den dicken Ast, während seine Beine in schwindelnder Höhe in der Luft hingen. Sein leicht nach vorn gebeugter Oberkörper verschaffte ihm den Vorteil, das Gleichgewicht etwas zu verlagern. Doch seine Kraft ließ schon merklich nach. In diesem Atemzug schien ihm das Zirpen der Grillen wie ein Hohngelächter. Lange konnte er in dieser Stellung nicht mehr ausharren. Augenblicklich hielt Elyian den Atem an, als das Reptil sich über seine linke Hand schlängelte. Ihr Kopf, damit ihre gefährlichen Giftzähne, entfernte sich weiter über kleinere Äste auf einen benachbarten Baum. Noch einen Moment wartete er, bis seine Arme vor Anstrengung zu zerreißen drohten. Tief einatmend schwang er das rechte Bein über den Ast, rutschte ein Stück zurück und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Stamm. Das war knapp!

Mit einem Gefühl des Stolzes strich er wohl zum hundertsten Mal über seine neue Hose. Herrlich geschmeidig fühlte sie sich an. Erst kürzlich hatte er eine Würgeschlange erlegt und ihr die Haut abgezogen. Seine Mutter hatte ihm daraus eine Hose genäht und sie am Abend zuvor fertiggestellt. Elyian schloss die Augen. Auch am Vortag hatte er zum wiederholten Male einen Versuch gestartet, sie über seinen Vater auszuhorchen. Elyian wusste weder seinen Namen noch wie er ausgesehen hatte. Warum sie wohl nie über ihn reden wollte? Womöglich war er ein schlechter Mann und Mutter sehnte sich danach, ihn zu vergessen, was er durch seine Fragen verhinderte. Vielleicht war er gestorben und Mutter schmerzte sein Verlust. Welche Möglichkeiten ihm in den Sinn kamen, er konnte nur vermuten, weshalb seine Mutter dieses Thema mied.
Ein süßlicher Duft stieg Elyian in die Nase. Fast ein wenig betörend roch es. Er öffnete die Augen und schaute sich um. Drei Bäume weiter entdeckte er die große, weiße Blüte einer Bromelie. Zwei Kolibris schienen darüber zu schweben. Elyian erkannte nicht die einzelnen flinken Flügelschläge der kleinen Vögel, die es ihnen ermöglichten, auf der Stelle zu fliegen. Während er sie beobachtete, fiel ihm die Erzählung des alten Mannes aus dem Dorf ein.
»Dieser Krieger war so gewandt, dass seine Gegner seinen Bewegungen kaum folgen konnten. Wie ein Kolibri fliegt, so behände reagierte er und erledigte einen nach dem anderen. Sein Sieg im Agon brachte seiner Familie hohes Ansehen.«
Zu gern hätte Elyian die Kriegsschule besucht, um auch ein angesehener Krieger zu werden, doch dafür müsste er seinem Zuhause den Rücken kehren. Als der Wind das Blätterdach hin und her wiegte, blendeten ihn vereinzelte Sonnenstrahlen; das holte ihn wieder in die Gegenwart zurück. Hier oben in den Baumkronen vergaß er oft die Zeit. Jetzt sollte er sich beeilen, nach Hause zu kommen. Mutter mochte es nicht, wenn sie auf ihn wartete. Zügig kletterte er den Baum hinunter und rannte den schmalen Pfad zurück. Gelegentlich sprang er über dicke Äste, die über seinem Weg hingen. Dabei fühlte er sich so lebendig, so glücklich. Auf der Lichtung blieb er kurz stehen. Der Anblick des heimischen Strandes, der am Fuß des dicht bewachsenen Berges vor ihm lag, überwältigte ihn wie jedes Mal. Nach seinem Empfinden zählte er zu den schönsten Orten zwischen dem weißem und rotem Mond. Niemals wollte er diesen Ort vergessen. Dieser Gedanke stimmte ihn nachdenklich. Solange er sich erinnern konnte, lebte er hier mit seiner Mutter. Es gab keinen Grund fortzugehen, zumal seine Mutter ihn ohnehin nicht zur Kriegsschule schicken würde.
Plötzlich hielt er inne. Fußspuren führten durch den weißen Sand zur vertrauten Bambushütte, die nah am Ufer auf Pfählen gebaut war. Eindeutig handelte es sich um große, mit Ledersohlen bedeckte Füße. Gehörten die Spuren einem Krieger oder gar seinem unbekannten Vater? Elyian spürte sein Herz schneller schlagen. Langsam, mit einem heftigen Kribbeln im Bauch, ging er auf die Hütte zu und stieg die kleine Leiter nach oben. Er sah seine Mutter, wie sie sich mit einem Mann unterhielt. Sie bemerkte Elyian nicht.
»Seit jeher habt Ihr Euch den heimischen Bräuchen entsagt ...«
»Aber, Esra!« Energisch fuhr der Fremde ihr ins Wort. Er stand mit dem Rücken zum Eingang. Elyian sah nur sein braunes Gewand und seine grauen, struppigen Haare.
»Ich würde heute nicht vor Euch stehen, wenn Ihr Euch allem gebeugt hättet.«
Elyian war inzwischen hinter den Mann getreten, erst jetzt sah Esra auf. Sie riss ihre Augen auf, als habe sie mit seinem Erscheinen nicht gerechnet.
»Mutter, wer ist das?« Dieser schlanke Fremde wirkte seiner Mutter gegenüber sehr vertraut, dabei hatte er sich seinen Vater wesentlich jünger vorgestellt. Der Unbekannte drehte sich um und musterte ihn von oben bis unten. Er war einen Kopf größer als Elyian.
»Geh fischen, Elyian.« Ihre Stimme zitterte auffallend.
»Aber, Mutter, ich …«
»Geh, Elyian!«, zischte Esra energisch. Elyian gehorchte. Der ungewöhnlich barsche Ton seiner sonst so liebevollen Mutter verunsicherte ihn. Wer konnte dieser Fremde sein, wenn nicht sein Vater? Für Elyian war sein Vater wie ein geheimnisvoller Mythos. Das Erscheinen dieses Fremden und das Verhalten seiner Mutter warfen nicht nur viele Fragen, sondern auch Angst und Sorge auf. Deshalb versteckte sich Elyian im Buschwerk dicht bei der Hütte, um zu lauschen.
»Warum schickst du ihn fort?«, hörte Elyian den Mann nach einem Moment der Stille.
»Ihr befindet Euch im Irrtum. Eure Vermutung ist trügerisch.« Die letzten Worte flüsterte sie nur noch.
»Wegen ihm bis du fortgegangen?« Seine Stimme klang, als habe er einen Verdacht. »Hast du etwa geglaubt, ich würde dich verstoßen?«
»Vater, bitte!« Seine Mutter bezeichnete den Fremden als Vater? Dieser Unbekannte war also sein Großvater und nicht sein Vater, wie er anfangs vermutet hatte. Elyian schloss seinen Mund und schluckte.

12. Oktober 2014

Drachenseele

Ein herzliches Dankeschön an meine Leser von Drachenseele!
Inzwischen sich 72 Rezensionen zusammengekommen.


Auszug:

Unterwegs auf dem Fußweg zur Bahn bemerkte Marcus seine zittrigen Knie ebenso wie den leichten Schwindel. Nachher im Flugzeug konnte er sich ausruhen, jetzt durfte er nicht trödeln, sonst verpasste er am Ende noch seinen Flug.


Wenn er nur halb so elend aussah wie er sich fühlte, musste er geisterhaft auf andere wirken. Es verwunderte ihn deshalb nicht, wie die vorbeilaufenden Passanten ihn anstarrten. Endlich lag der Bahnhof in Sichtweite. Eine Autohupe in seiner Nähe ließ ihn zusammenzucken. Er ärgerte sich über seine Schreckhaftigkeit und ging umso schneller weiter.
„Marcus?“, hörte er Nicole hinter sich rufen. Er durfte sich nicht umdrehen, sie in ihrer Hoffnung bestärken, denn für einen Wortwechsel war keine Zeit.
„Marcus! So warte doch!“
Nein! Er brachte es nicht übers Herz sie zu ignorieren, also blieb er stehen. Kleine Lichtfunken erschienen vor seinen Augen, verschwanden zum Glück aber schnell. Sein Puls raste. Nicole berührte von hinten seinen rechten Arm, dann ging sie um ihn herum. Ihre Augen wurden immer größer, während sie ihm ins Gesicht sah. „Mein Gott, was tust du hier?“ Sie ergriff seine rechte Hand und zog ihn zur Seite. Am Straßenrand hielt der Wagen von Sven. Marcus konnte durch das spiegelnde Licht der Sonne in der Frontscheibe keinen Fahrer am Steuer erkennen.
„Ich danke dir.“ Er schluckte, versuchte seinem Schwindel, seiner aufkommenden Übelkeit entgegenzuwirken. „Mir läuft die Zeit davon. Ich muss zurück.“
„Zurück? Ich sehe dir doch an, wie schlecht es dir geht, deine glasigen Augen, deine blasse Gesichtsfarbe. Lass mich dir helfen.“
Er riss sich von ihrem Griff los, das kostete Kraft, dabei weniger körperliche. „Nicole!“ Nein! Die Zeit drängte ihn, er musste sich kurz fassen. Er holte Luft. „Tut mir Leid. Ich muss gehen.“ ...



Wenn jemand Dein Leben beendet, wie gehts Du damit um, vor allem, wenn du gar nicht tot bist?

Drachenseele für 3,70 € als E-Book auf Amazon 
und überall wo es Bücher gibt,
als Taschenbuch und als Hörbuch


30. September 2014

Frage an Euch

Wie ich kürzlich bereits angekündigt habe, schreibe ich augenblicklich an einem zweiten Teil von ¿Identität?

Meine Hauptfigur heißt diesmal "Nicolás Rodríguez"

 1



Welche Version findet Ihr beim ersten Anblick 
am Ansprechendsten? 

 2










3                oder                  4






Vielleicht könnte für Euch der Buchtitel noch wichtig sein, "Verlorene Identität"

Ich freue mich über jede Meinung von Euch:

19. September 2014

Kalender zu gewinnen


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"Gedankenwellen der Freude 2015"

Ein Buchkalender für das kommende Jahr 2015, der Euch mit Freunde, Motivation, Begeisterung und Mondtipps durch das neue Jahr begleitet!








10. September 2014

Szene zur Lesung

Mit diesem Text stelle ich gern mein Buch

"¿Identität?" vor.

Diese Stelle eignen sich ganz wunderbar zum Vortragen, da man auch ohne Vorkenntnisse in die Gesichten hineinfindet.


Verwirrt IX
Ein lautes Geräusch riss Katharina aus ihrem Traum. Erschrocken machte sie die Augen auf, versuchte etwas zu erkennen. Beim nächsten Knall zuckte sie heftig zusammen. Das Licht schmerzte beim Hinsehen, sie musste blinzeln und erkannte nach einigen Sekunden einen offenen Basketballplatz. Sie saß mit dem Rücken an eine Wand gelehnt, spürte dabei ihr Zittern. Erneut prallte der Ball geräuschvoll gegen das Basketballbord. »¡Hierher!«, rief ein Jugendlicher.
Ein anderer rempelte ihn an. »¡Trottel!«
»¡Hey, Alte! ¡Zieh Leine!« Ein Halbstarker im Scheunentorformat zerrte sie an den Schultern in die Höhe. »¡Schlaf deinen Rausch woanders aus!« Er schubste Katharina vom Spielfeld, sodass sie stolperte und zu Boden fiel. Ihr langes Haar schützte sie wie ein Vorhang vor dem unangenehmen Licht. Mit viel Kraftaufwand kam sie wieder auf die Beine. Sie torkelte mehr, als dass sie lief. Ihr Mund war trocken, ihre Lippen fühlten sich geschwollen und aufgerissen an. Jede Faser ihres Körpers schmerzte, als habe sie Gliederschmerzen. Am Schlimmsten waren die Kopfschmerzen mit dieser ungewöhnlichen Lichtempfindlichkeit. Erst jetzt begann sie sich über ihre Situation bewusst zu werden. Sie suchte nach ihrem Namen. Er wollte ihr nicht einfallen. Wo war sie? Wie war sie hierhergekommen? Blinzelnd versuchte sie, sich zu orientieren, wankte die Straße hinunter. Angestrengt erinnerte sie sich, was passiert war. Antonio! Sie hatte für ihn in dem Laden für Künstlerbedarf ein Geschenk gekauft, um sich anschließend auf den Weg zu seiner Wohnung zu machen. Aber da war es schon dunkel gewesen, und nun war es hell. Katharina hieß sie, Katharina Clausen. Vor einigen Wochen war sie nach Kolumbien gekommen, um hier zu arbeiten. Langsam kamen ihre Gedanken in Gang. Ihre Vergangenheit war nicht verloren. Plötzlich spürte sie heftige Übelkeit, ihr Magen rebellierte. Sie blieb stehen, hielt mit der einen Hand ihr offenes Haar zurück und mit der anderen fasste sie sich auf den schmerzenden Bauch. Sie beugte sich vor, um die aufkommende Katastrophe von sich fernzuhalten. Schwer atmend ging sie weiter. Für ein Glas Wasser hätte sie in diesem Augenblick alles gegeben. Sie zuckte zusammen, als ein Auto hupte. Wie erwacht sah sie sich um. Sie stand mitten auf der Fahrbahn vor der Motorhaube eines Geländewagens. »¡Passen Sie doch auf, Señora!«
Was war nur los mit ihr? Erneut blieb sie stehen, schaute an sich herunter. Ihre hellgraue Stoffhose war schmutzig und am linken Oberschenkel eingerissen. Eine Jacke, die sie an diesem kühlen Tag hätte gut gebraucht können, fehlte. Weder in der kleinen Vordertasche ihrer ebenfalls befleckten Bluse noch in den Taschen der Hose fand sich auch nur ein einziger Peso. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wo sie war und wie sie nach Hause finden sollte. Mit dieser Situation fühlte sie sich völlig überfordert. Nach ein paar Straßenecken kam ihr eine ältere Frau in abgetragenen Kleidern entgegen. »¡Entschuldigung!«, sprach Katharina sie an. Die ältere Frau musterte sie. »¿Señora?« »Verzeihung!« Ihr Mund war so entsetzlich trocken. »¿Können Sie mir sagen, wie diese Straße hier heißt, bitte?« »Calle 46AS.« Die Frau zeigte geradeaus. »Dort vorn kommen Sie auf die Carrara 3E.« Obwohl es Katharina angesichts der fremden Umgebung geahnt hatte, kam diese Antwort einer heftigen Ohrfeige gleich. In Bogotá war das Straßensystem durchnummeriert. Die Straßen in der Nord-Süd-Richtung hießen »Carrera«, die Ost-West-Wege »Calle«. Sie befand sich irgendwo im ärmlichen Süden der Stadt und musste nun versuchen, Richtung Norden die Calle 97 zu finden, ohne auch nur einen Peso in der Tasche. Katharina zweifelte, ob sie in ihrem derzeitigen Zustand in der Lage war, diese Strecke von mindestens drei Stunden zurückzulegen. Andererseits hatte sie keine Wahl. Mit einem tiefen Atemzug setzte sie ihren Weg fort. Ihr Magen rebellierte abermals, nur diesmal wusste sie nicht, ob vor Hunger oder vor Schwindel. Sie schluckte wiederholt, mit Erfolg. Was war nur auf dem Weg zu Antonios Wohnung passiert? Bildfetzen von drei Militärpolizisten tauchten für den Bruchteil einer Sekunde vor ihrem Auge auf. Sie versuchte sich zu erinnern, ob die Militärpolizei sie festgenommen hatte? Nur warum? Sie hatte sich nichts zu Schulden kommen lassen. Diese ganze Situation war seltsam. Hätte sie zu viel getrunken, würde sie die Erinnerungslücke nachvollziehen können, aber der gestrige Abend war wie ausgelöscht. Sie konnte nicht einmal bestimmen, ob sie Antonios Wohnung erreicht hatte. Grübelnd lief sie die Straßen entlang. Mit Hilfe der umliegenden Berge versuchte sie, sich zu orientieren, ihre Richtung beizubehalten. Ihr Zeitgefühl war dahin. Vielleicht war sie eine Stunde unterwegs oder sogar schon zwei? Vor einem kleinen Laden saß ein Mann auf einem Hocker. Seine faltigen Hände hielten eine Tageszeitung hoch, sodass Katharina sein Gesicht nicht erkennen konnte, dafür jedoch die Titelseite der Zeitung. Beiläufig fiel ihr Blick auf das Datum. Ihr stockte der Atem. Reflexartig landete ihre rechte Hand auf dem Mund. Dienstag! Ihr fehlten ganze drei Tage! Verdammt, was war nur passiert? Sie rieb sich über das Gesicht und hoffte, eine klitzekleine Erinnerung wiederzufinden. Vergeblich! Mit dieser Erkenntnis wurde ihr bewusst, wie erschöpft sie sich fühlte. Sie sehnte sich nach einem Bett, zumindest aber nach einer Sitzgelegenheit. Zu allem Überfluss begann es zu regnen. Katharina spürte die feuchte Kälte auf ihrer Haut. Sie zitterte selbst beim Laufen. Ihre Kopfschmerzen ließen glücklicherweise nach, sogar der Schwindel ging zurück, nur ihr Magen knurrte, und das tat wirklich weh. Jeder Meter, den sie zurücklegte, forderte eine gehörige Portion Disziplin, die sie in manchen Augenblicken kaum aufzubringen vermochte. Nur der Gedanke an Antonio, an seine dunkle angenehme Stimme und an sein begehrenswertes Wesen trieb sie voran. Sie lief immer weiter ... Plötzlich blieb sie stehen. Auf den Hinweisschildern sprang ihr »Monumento los Heroés« ins Auge. Das Museum, an dem sie auf dem Weg ins Büro vorbei kam! Vassquéz lag hier näher als Antonios Wohnung, und bestimmt war er jetzt nicht zu Hause. Sie schaute sich um, ob sie sich auch nicht irrte. Nein, sie war auf dem richtigen Weg. Mit jedem Schritt wurden ihre Beine schwerer. Schleppend kam sie voran. Zu gern hätte sie sich irgendwo hingesetzt, sich ausgeruht. Andererseits war sie nun schon so lange unterwegs, da sollte ihr der Weg zur Firma gelingen. Dort war es sicherer als auf der Straße. Noch einen Block, dann hatte sie es geschafft. Das letzte Stück schien bergauf zu gehen und verlangte all ihre Kraft. Endlich stand sie vor dem Haupteingang von Vassquéz und drückte die Tür auf. »¡¿Señora?!« Enrique eilte mit weit aufgerissenen Augen auf sie zu. »¡Ach du Schreck! ¡Setzen Sie sich!« Er schob sie auf die Ledercouch in der Eingangshalle. Es war ein erlösendes Gefühl für sie, sich hinzusetzen und die Füße entlasten zu können. »¿Könnte ich ein Glas Wasser bekommen, bitte?« Katharina bemerkt, wie ihr Magen erneut rebellierte. »¡Einen Augenblick!« Sie lehnte sich zurück und schloss die Augen, versuchte aber, nicht einzuschlafen. »¿Señora?« Enrique hielt ihr einen Becher vors Gesicht. »¡Gracias!« Sie genoss jeden Schluck. Noch nie war ihr aufgefallen, wie köstlich Wasser schmeckte. Ihr ging es gleich viel besser. Sie hörte Enrique sprechen. Er klang dabei sehr aufgeregt. »¡Die Señora ist hier, Doñ Antonio!« Es war kurz still. »¡Sí! Vor zwei Minuten.« Eine weitere Pause folgte. »Ich weiß nicht. ¡Sí! Furchtbar mitgenommen.« Offenbar telefonierte er. »¡Sí! ¡Sí! ¡Natürlich!« Bestimmt würde Enrique ihr ein Taxi bestellen, dann konnte sie nach Hause ins Bett und schlafen. Sie stand auf, wobei ihr für den Moment schwarz vor Augen wurde. »¡No! ¡No! ¡No!« Enrique drängte sie auf die Couch zurück. »¡Sie bleiben, Señora!« »Ich möchte ...«
»Doñ Antonio ist auf dem Weg hierher. Er hat sich große Sorgen um Sie gemacht, und ich habe ihm versprochen, bis zu seinem Eintreffen auf Sie achtzugeben.« Antonio! Ja, auf ihn wollte sie warten. Sie fühlte sich am Ende ihrer Kräfte, stützte die Ellenbogen auf ihre Knie, um den Kopf auf die Hände zu legen. Erschöpfung und Müdigkeit drohten sie zu packen. Sie musste für einen Augenblick eingenickt sein, denn sie schreckte von einem Geräusch auf. Im Augenwinkel sah sie jemanden auf sich zu kommen.
»Katharina!« Antonios Stimme verriet eine Mischung aus Erleichterung und Bestürzung. Sie schaute ihm ins Gesicht. Bestimmt sah sie furchtbar aus, doch das war ihr jetzt egal. Er nahm ihre Hände. »Du bist zurück!« Er wirkte bewegt. »Du lebst!«
Das Sprechen fiel ihr schwer. »Ich fühle mich schrecklich.« Sie realisierte, wie wahr ihre Worte waren. »Ich begleite die Señora zum Wagen, Doñ Antonio.« Es kostete sie viel Beherrschung, sich trotz der Hilfe von Enrique auf den Beinen zu halten. Erschöpft ließ sie sich auf dem Rücksitz des Taxis nieder.

»Katharina!« Antonio legte seinen Arm um ihren Nacken. Sie lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter und sank augenblicklich in sich zusammen.

Wie findet Ihr die Szene? Kommt man rein?

¿Identität?